Deutsche Wildtier Stiftung: Im Sommer locken Rotbauchunken ihre Herzensdame – leider oft vergeblich

Hamburg / Klepelshagen, 22. Juni 2021. Wenn an einem lauen Sommerabend die rote Sonne im Wiesenteich versinkt, ertönt immer seltener eine sehnsüchtige Melodie. Die männlichen Rotbauchunken singen ihr Liebeslied: „UhhUhhUhh – Bombina bombina, wo bist du, wo bleibst du?“ Zugegeben: Eine Unke (Bombina bombina) alleine klingt manchmal etwas monoton. Finden sich Unken-Männchen zu einem Chor zusammen, kann der Zuhörer eine inbrünstige Mehrstimmigkeit bewundern; ein italienischer Männerchor kann nicht kitschiger klingen. Neben einem tiefen Grundton können Unken-Männchen bis zu sechs verschiedene Töne hervorbringen. Je wärmer der Teich ist, in dem sie sitzen, desto schneller erklingt die Tonfolge. So hocken die Rotbauchunken nun im Wasser und „unken“ ihre Liebeslieder geduldig über mehrere Stunden hinweg. Die Pupillen wie winzige Herzen geformt, das Warzenkleid hoffnungsvoll grün-grau gefärbt, der Bauch leidenschaftlich rot gefleckt. Auch Brunftschwielen am Unterarm signalisieren: „Ich bin bereit“. 

„Trotz aller zur Schau gebotenen Männlichkeit locken Unken-Männchen die ersehnten Weibchen oft vergeblich“, sagt Jenifer Calvi, Pressereferentin der Deutschen Wildtier Stiftung. Denn Rotbauchunken werden in Deutschland immer seltener und auf der Roten Liste der Amphibien sind sie als „stark gefährdet“ eingestuft. Was läuft da schief? Es gibt viele Gründe; unter anderem diese: „Sogenannte Verinselungen, also voneinander getrennte Gewässer, erschweren die Begegnung zwischen Männchen und Weibchen“, sagt Calvi. Naturnahe Kleingewässer sind selten. Überschwemmungsgebiete naturnaher Flussauen fehlen. Einträge von Pestiziden und Düngemitteln in die Laichgewässer, die in landwirtschaftlich genutzten Flächen liegen, vergiften den Lebensraum. Jenifer Calvi: „Nicht zuletzt ist eine Rotbauchunke erst mit etwa zwei Jahren geschlechtsreif. Bis zur Paarung braucht es also Zeit.“

So ist es kein Wunder, wenn eine Unke hierzulande einsam bleibt. Bis Ende Juli unkt sie noch, dann geht die Zeit der erhofften Zweisamkeit wieder zu Ende. 

Hat es mit der Paarung geklappt, setzt Bombina bombina mehrere Laichklümpchen mit bis zu 300 Eiern ins Wasser. Nach zwei bis drei Tagen schlüpfen die Larven. Die Entwicklungszeit ist abhängig von den Umweltbedingungen und dauert fünf bis zwölf Wochen.

Die Deutsche Wildtier Stiftung schützt mit einer wildtierfreundlichen Bewirtschaftung ihrer Flächen die Lebensräume der Rotbauchunken. Während die Amphibien anderenorts immer rarer werden, kann man die Unken-Gesänge in den mit Tümpeln reich bestückten Flächen der Deutschen Wildtier Stiftung noch vernehmen. Zum Glück: Denn an einem lauen Sommerabend ist Unken-Gesang das Tüpfelchen auf dem I.


Text: Deutsche Wildtier Stiftung