Die Empfehlungen, wieviel man trinken sollte, sind oft widersprüchlich: Sind zwei Liter Flüssigkeit pro Tag richtig, wären drei noch besser, oder reichen vielleicht schon eineinhalb Liter? Und kann ein Zuviel auch schädlich sein?

60 bis 70 % des menschlichen Körpers bestehen aus Wasser. Ist der Körper damit unterversorgt, kann dies schnell zu einer eingeschränkten geistigen und körperlichen Leistungsfähigkeit führen. Doch ob Regeln, die eine feste tägliche Mindestmenge vorgeben, sinnvoll sind, stellen Wissenschaftler der australischen Monash-Universität in Frage.

Studie

Sie untersuchten in ihrer Studie Teilnehmer im Alter zwischen 23 und 45 Jahren. Diese sollten unter zwei Bedingungen Wasser trinken: nach einem körperlichen Training und sehr durstig, sowie unter Zwang über ihr Durstgefühl hinaus. Kurz vor Trinkbeginn wurde die Hirnaktivität der Teilnehmer mittels funktionaler Magnetresonanz-Tomographie (fMRT) überprüft. Dabei ergab sich, dass es die Teilnehmer eine dreimal so große Überwindung kostete, über ihr Durstempfinden hinaus Flüssigkeit zu sich zu nehmen. In der fMRT-Analyse zeigte sich die Region des rechten Präfrontalhirns hoch aktiv, wenn die Teilnehmer sich zum Trinken zwingen mussten, nicht jedoch, wenn sie durstig tranken. Die australischen Forscher sehen diese Hirnaktivität als Nachweis dafür, dass die natürliche Schluckhemmung bewusst überwunden werden muss, um der Trinkaufforderung nachkommen zu können. D. h.: Übersteigt die Flüssigkeitsaufnahme die Bedürfnisse des Körpers, sorgt eine Abschwächung des Schluckreflexes dafür, dass wir nicht noch mehr trinken. 

Denn sonst kann es sogar zu einer Art „Wasservergiftung“ kommen: Die Mineralstoffkonzentrationen in Blut und Körpergeweben erreichen durch die zu hohe Verdünnung eine kritische untere Grenze, was Symptome wie Übelkeit, Krämpfe, Antriebslosigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit durch eine Gehirnschwellung auslösen kann.

Fazit.

Der gesunde Körper, so die Wissenschaftler, ist in der Lage, seinen Wasserhaushalt über ausgeklügelte Mechanismen selbst zu regulieren. Im Alter und bei chronischen Erkrankungen kann das natürliche Durstgefühl jedoch verloren gehen. Allen anderen aber raten die Forscher: Statt die Trinkmenge zu zählen, einfach trinken, wenn man Durst hat.


Text: Dr.Gudrun Hoffmann
Foto: Tuyen Vo on Unsplash

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