Deutsche Wildtier Stiftung: Wer beim Aufräumen im Garten möglichst viele verblühte Pflanzen stehenlässt – Richtwert ca. drei Viertel der Pflanze werden stehengelassen – oder nur wenig zurückschneidet, bietet Vögeln Nahrung und Insekten ein überlebenswichtiges Winterquartier

Der November steht vor der Tür und unsere Gärten und Parks sowie die Blühstreifen an Feldrändern verlieren ihre Farben. Sind die Blätter von Bäumen, Sträuchern und Blumen abgefallen, dominiert das Grau. Aber verblühte Sträucher, Stauden und Pflanzenstängel haben ihren eigenen Reiz – und für Wildtiere sind sie enorm nützlich.

„Wer beim Abschneiden verblühter Zweige und Pflanzenstängel den Großteil der jeweiligen Pflanze über den Winter hinweg stehen lässt, hilft Vögeln und Insekten beim Überleben“, sagt Manuel Pützstück, Artenschützer bei der Deutschen Wildtier Stiftung. „Meise, Fink und Buntspecht danken es Ihnen, wenn Sie Samen und Fruchtstände von Wilder Möhre, Sonnenblume, Hundsrose, Karde oder Ringelblume an den Stängeln und Zweigen belassen.“ Auch die Beeren von Schlehe, Holunder, Weißdorn oder Wacholder sind bei Garten- und Feldvögeln in den Herbst- und Wintermonaten beliebt. Der Feldsperling futtert Getreidekörner, Sonnenblumenkerne oder Samen von Wildkräutern, der Stieglitz mag offene Brachflächen mit Samen von wilden Stauden wie Wegwarte oder Klatschmohn. Herbst- und Wintergäste wie Rotkehlchen, die aus dem Hohen Norden zu uns kommen, picken gern die weichen Beeren von Ligusterhecken. Der farbenfrohe Seidenschwanz, ein seltener Wintergast aus Skandinavien, mag Hagebutten.

Und auch die Zweige von Eiche, Buche, Ahorn oder Walnussstrauch tragen nahrhafte Früchte. Bucheckern hat der Buchfink für sein Leben gern und Eichelhäher sammeln, wie der Name es verrät, mit Vorliebe fetthaltige Eicheln. Alle Rabenvögel, so auch die Elstern, knacken Walnüsse. Die Früchte des Bergahorns dienen Kleiber, Kernbeißer und Fichtenkreuzschnabel als überlebenswichtiger Herbst- und Winterschmaus. Wer diese Baumzweige nicht kappt und die Früchte liegenlässt, tut ihnen jetzt etwas Gutes. 

Abgeschnittene, dicke Stängel von Brombeere, Holunder, Distel, Königskerze, Heckenrose, Kletten, Beifuß oder Karde bieten zudem bedrohten Wildbienen ein Winterquartier. Bestimmte Masken- und Mauerbienenarten haben sich in den vergangenen Wochen durch das Mark geknabbert und im Inneren der Stängel ihre winzigen Bruthöhlen angelegt. In Kugeldistel- oder Maggikraut-Stängeln richten sich neben Wildbienen auch Spinnen und Käfer ein. „Wildtierfreunde können diese Pflanzen nach der Blühperiode mit der Gartenschere anschneiden, um das Mark frei zu legen und sie bis zum nächsten Frühjahr stehen lassen“, sagt Pützstück, „alternativ können Sie die Stängel zuschneiden und einzeln senkrecht oder leicht schräg an sonnigen Stellen wie etwa an einem Zaun fixieren“. So bleibt der Garten auch in den trüben Monaten ein wertvoller Lebensraum für viele Arten, die das kommende Jahr dann umso bunter machen. 


Text: Deutsche Wildtier Stiftung