Hamburg, 26. 2. 2021. Am Montag ist der meteorologische Frühlingsanfang. Wer den Frühling „hören“ möchte, braucht jetzt nur kurz vor Sonnenaufgang das Fenster öffnen. Dann kann man den Liebesliedern der Singvögel lauschen.

Für die Frühlingsgefühle der Vögel ist die Intensität des Tageslichtes entscheidend. „Mit der immer früher einsetzenden Morgendämmerung startet auch das Singvogel-Konzert früher“, sagt Prof. Dr. Klaus Hackländer, Vorstandsvorsitzender der Deutschen Wildtier Stiftung. Das kann ganz schön laut werden. Einige Singvögel wie die Amsel erreichen mit bis zu 100 Dezibel den Lärmpegel eines Presslufthammers. Außerdem haben Wissenschaftler gemessen, dass die Großstädter unter den Singvögeln am lautesten zwitschern. Scheint logisch, denn sie müssen ja den Straßenlärm übertönen. Die männliche Nachtigall singt in der Stadt bis zu fünf Mal lauter als ihre Verwandten auf dem Land. Das fanden Ornithologen des Max-Planck-Instituts heraus. Kohlmeisen singen nicht nur lauter, sondern auch höher. So können sie sich stimmlich gegen die dumpfe Kakophonie der Stadt durchsetzen.

Das Piep-Konzert dient nur einem einzigen Zweck: Es geht um die Familienplanung. „Während der Mensch verzückt dem Sing-Sang der Vögel lauscht und es für einen Ausdruck von Lebensfreude hält, ist die Balz für die Männchen eine anstrengende Angelegenheit und alles andere als ein Vergnügen“, so Hackländer. „Zunächst muss der Rivale mit kräftiger Stimme aus dem Revier vertrieben werden, dann gilt es, die Weibchen mit dem Gesang zu beeindrucken.“

Eine kräftige Stimme, kombiniert mit einem prächtigen Gefieder, steht für Gesundheit und signalisiert der Vogel-Frau in spe: Ich habe gute Gene für unseren Nachwuchs zu bieten. Bei dem Liebesgeflüster während der Balz sind nicht nur Lautstärke, Dauer und die Häufigkeit des Gesangs von Vorteil; es geht auch um das Repertoire. Die Amsel ist ähnlich wie die Nachtigall ein Meistersänger. Während die Nachtigall mit glasklarem Sopran und bis zu hundert Strophen brilliert, verfügt das Amselmännchen über einen geradezu kitschig anmutenden Schmelz in der Vogelstimme. Das hat der Gartenrotschwanz nicht drauf, aber er hat eine tolle Range. Sein Gesang beginnt kraftvoll, fällt dann ab, um wieder ins Crescendo über zu gehen. Ganz gleich, ob der Ampelmast oder der Apfelbaum als Bühne dienen, eins ist klar: Wer am lautesten singt, der kriegt die Braut!

Übrigens: Der lauteste Vogel der Welt lebt in Brasilien. Der männliche Zapfenglöckner imponiert mit 125 Dezibel! Er hat ein weißes Gefieder und wiegt nur 250 Gramm, aber sein „Ding-Ding“-Ruf klingt wie eine Glocke und durchdringt die Tiefen des Amazonasgebietes.


Wer singt denn da im großen Vogelorchester? Ohren gespitzt und losgelauscht: Vom Balkon aus und im Garten oder Park gut zu hören, beginnen nun frühmorgens die herrlichsten Vogelkonzerte. Jetzt ist die Zeit, um einmal zu unterscheiden: War es etwa die Nachtigall, die dort gesungen hat – oder doch eine Amsel? Beide können wundervoll „flöten“ – dabei tönt die Nachtigall rein und klar, die Amsel aber singt mit einem „Schmelz“, der unverkennbar ist.

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Text: Deutsche Wildtier Stiftung
Foto: Deutsche Wildtier Stiftung