Aus Opas Trickkiste


 

Der Vulkan im Wasserglas

Unterhaltung zweier gesetzter Herren:

„Sie reisen nach dem Süden, nach Neapel und Sizilien – zum Vergnügen, wenn ich fragen darf, oder zu wissenschaftlichem Zweck?“

„In der Hauptsache, um dem Vesuv und Aetna einen Besuch abzustatten.“

„Aber die beiden Feuerberge sind zur Zeit ja gar nicht in Eruption!“

„Gleichviel, es genügt mir, ihre normale Tätigkeit zu beobachten.“

„Aber, bester Herr, wozu die Reise? Diese Tätigkeit können Sie ganz gemütlich und ohne jede Gefahr in Ihrem Zimmer, ja sogar in einem Wasserglase beobachten.“

Der eine sieht den anderen erst ganz verdutzt, dann aber mitleidig lächelnd an, als ob er ihn für übergeschnappt hielte, und kehrt ihm schließlich den Rücken.

Wir und unsere Leser wollen uns den lehrreichen physikalischen Scherz, den der eine bei dieser Neckerei im Auge hatte, nicht entgehen lassen.

Nehmen wir zu diesem Zweck ein möglichst geräumiges Glasgefäß und stellen auf seinen Boden ein mit Rotwein gefülltes Fläschchen; letzteres verstöpseln wir mit einem Kork, dem wir der Länge nach eine feine Durchbohrung gegeben haben. Alsdann umkleiden wir die Flasche mit Lehm, Gips oder etwas Ähnlichem, indem wir die Form eines Vulkans nachbilden, insbesondere auch den Krater zur Darstellung bringen, dessen Grund den durchlöcherten Kork umschließt.

Endlich füllen wir das Glasgefäß mit Wasser. Da nun der Rotwein spezifisch leichter als Wasser ist, so steigt ersterer in einem feinen, sich oben erweiternden Strahl in die Höhe, gleich der Dampfsäule eines Vulkanes; das Ganze gewinnt noch an Ähnlichkeit, wenn wir, entsprechend der in der Luft herrschenden Bewegung, das Wasser an der Oberfläche ein wenig umrühren. Der Vorgang dauert im ganzen ziemlich lange, da der Wein durch die feine Öffnung des Korkes nur langsam entweicht.

Wir fragen nun: Hatte Opa recht, oder haben Sie Grund, diese Behauptung in Zweifel zu ziehen? Da gibt es nur eines – ausprobieren!