(Eine Sage aus der Eifel)

Einst hauste in der Eifel ein starkes, grausames Riesengeschlecht. Einer von ihnen, Kakus, war den Menschen besonders feindlich gesonnen. Er war jähzornig und unberechenbar und fügte ihnen Schaden zu, wo er nur konnte. Was die Menschen auch auf den Feldern anbauten, er zerstörte es, und er stahl ihnen das Vieh von den Weiden. Selbst den stärksten Bullen erschlug er mit der Faust und verschlang ihn mit Haut und Haaren. Besonders schlimm erging es den Menschen, die dem Kakus in die Hände fielen. Mit Vorliebe band er ihre Beine an zwei Tannenwipfel fest und ließ die Bäume auseinanderschnellen. So trieb Kakus es viele Jahre, ohne daß jemand ihm Einhalt gebieten konnte.

Doch eines Tages kreuzte ein anderer Riese, der von weither gekommen war, seinen Weg. Es war am Feybach, wo sie aufeinander trafen, und sogleich entbrannte ein heftiger Zweikampf auf Leben und Tod. Beide rissen Bäume aus und schlugen aufeinander ein, große Felsbrocken warfen sie sich gegenseitig vor die Brust, daß es nur so dröhnte. Endlich gingen sie mit bloßen Händen aufeinander los, um sich gegenseitig zu erwürgen. Sieger blieb schließlich der fremde Riese, nachdem er Kakus zu Boden geworfen und ihm mit einem Felsbrocken den Schädel eingeschlagen hatte. Aber auch er war nicht unverletzt aus dem Kampf hervorgegangen. Er ruhte sich aus und versorgte seine Wunden im Feybach. Dann setzte er seinen Weg fort, kam aber nur bis in die Gegend von Münstereifel, wo er, durch den Blutverlust geschwächt, an einem Felsen tot zusammenbrach. Dieser Felsen wird noch heute „Herkulesstein“ genannt.

(aus: Sagen und Legenden der Eifel).

aus: Sagen und Legenden der Eifel