Maria Kelch blickt auf ihre bisherige Seifenkistenzeit zurück und erklärt, warum sie nach einer kurzen Pause erneut ins Lenkrad griff.

„Natürlich die Leidenschaft am Fahren, aber vielmehr war es die Gemeinschaft mit den anderen FahrerInnen, die mich zurück zum Seifenkistensport gebracht hat“, betont Maria Kelch, als sie zum Grund ihres Comebacks vor zwei Jahren gefragt wird. Allerdings konnte sie nicht mehr mit ihrer früheren SENIOR-Kiste fahren, sondern wechselte in die Elite-XL Ü18 Klasse. In dieser Klasse fahren Erwachsene in Elite-XL Kisten, welche sich von der SENIOR-Klasse durch eine bauchigere und größere Form unterscheiden. Ein wenig scheint die 23-Jährige ihrer alten roten SENIOR-Kiste doch nachzutrauern, wenn sie davon erzählt, dass sie damals eins mit der Seifenkiste war. Das Gefühl von Vertrautheit und Wohlbefinden ist wichtig im Seifenkistensport und kann helfen, sich und die Seifenkiste noch näher ans Limit zu bringen. Durch die geringe Sicht in der Elite XL-Kiste, in der die FahrerInnen meistens die Vorderräder nicht sehen können, ist es besonders herausfordernd, die Seifenkiste auf der idealen Linie die Strecke hinunter zu pilotieren. Auf der anderen Seite ist die Bergkamenerin lockerer geworden. „Als Jugendliche war ich ambitionierter, und es war wichtiger, eine gute Platzierung herauszufahren. Heute zählt der Spaß und die Gemeinschaft“, erzählt sie und blickt zurück auf ihre bisher vergangene Zeit im Seifenkistensport. Vieles hat sich dabei geändert, so sind gleich drei neue Klassen während ihrer Zeit aus der Taufe gehoben worden, und neue Rennen haben alte Rennen abgelöst. Dabei ist vor allem der Versuch seitens des Verbandes unternommen worden, die Chancengleichheit für die FahrerInnen zu erhöhen. Neben dem bisherigen Maximalgewicht, das es in jeder Klasse gibt, wurde im Jahr 2007 ein Mindestgewicht auf der Vorderachse eingeführt. Dadurch hatten auch längere oder größere FahrerInnen bessere Chancen auf eine vordere Platzierung. Auch die Einführung der neuen Klassen findet Maria Kelch gut. „Vielleicht ist es anfangs etwas neu und daher verwirrend, aber wir stellen uns der neuen Zeit und gehen mit dem Wandel“, erklärt sie und weist auf die Gründung der Elite-XL Klasse hin, die für größere Jugendliche die Möglichkeit bietet, den Seifenkistensport weiter fortzusetzen. Denn viele passten einfach nicht mehr in die engen SENIOR-Kisten hinein. Geblieben ist allerdings die Tatsache, dass im Seifenkistensport Geschlechter nicht getrennt werden. Als etwas Besonderes hat Maria es aber nie erachtet. „Für mich und für alle anderen ist es einfach selbstverständlich, dass es keine Trennung nach Geschlecht gibt. →

Und Muskelkraft spielt eher beim Hochziehen der Seifenkiste eine Rolle“, lacht die 23-Jährige und fügt hinzu: „Im Seifenkistensport trittst du nicht auf ein Pedal und wirst schneller. Konzentration, Ruhe und Feingefühl sind sehr wichtig, und vielleicht haben wir Mädels da sogar einen Vorteil.“ Ob Vorteil oder nicht, dass Seifenkistensport nur etwas für Jungen ist, ist ein altes Vorurteil. In der Realität ist das Fahrerfeld bunt gemischt, und sowohl Fahrer als auch Fahrerinnen fahren um die vorderen Plätze mit. Konzentration und Ruhe in einem solchen Rennen zu bewahren ist dabei gar nicht so einfach. Und diese brauchen die FahrerInnen auch, um die Seifenkisten trotz harter Federung über die teils unebenen Strecken zu steuern. Die Seifenkisten sind, wenn überhaupt, sehr hart gefedert, sodass die FahrerInnen jede Bodenwelle und jede Unebenheit spüren. Deshalb mag Maria auch Strecken, die eine sehr glatte Fahrbahn haben und sie während der Fahrt nicht so durchgerüttelt wird. Zudem dauern die Rennen einen ganzen Tag, sodass es nicht einfach ist, die Konzentration aufrechtzuerhalten. „Es ist wie in einem Tunnel“, beschreibt Maria Kelch die Situation während des Fahrens, „Zuschauer nimmst du gar nicht wahr. Ich konzentriere mich meistens auf ein Rad. Oder in meinem Fall auf den Punkt, wo ich vermute, dass da das Rad ist.“ Ein besonderes Ereignis erlebte sie in der Zeit, in der sie noch in der SENIOR-Klasse fuhr. Ausgerechnet auf dem Rennen, bei denen ihre VereinskameradInnen nicht dabei waren, gewann sie und konnte so den Sieg nicht mit den anderen feiern. Gemeinschaftlich auf Rennen fahren, feiern und mit den anderen über die Platzierungen freuen, das ist ein elementarer Bestandteil des Seifenkistensports, der in der alljährlich stattfindenden Deutschen Meisterschaft seinen Höhepunkt findet. „Deutsche Meisterschaften sind wie ein kleines Familienfest. Drei Tage lang sind wir zusammen, tauschen uns aus und feiern gemeinsam“, beschreibt Maria die Besonderheit von Deutschen Meisterschaften. Dabei ist die Siegerehrung der absolute Höhepunkt. Egal welcher Platz, alle FahrerInnen werden gebührend gefeiert und dürfen einlaufen. Solch ein Abend bleibt lange in Erinnerung, und auch wenn die Wochenenden im Winter etwas ruhiger sind und sich Maria Kelch entspannen kann, freut sie sich doch, wenn es im Sommer wieder auf die Rennstrecke geht und am Start die Frage ertönt: „Bereit?! Drei, zwei, eins, und ab …“.

 Norbert Reh

Lucas Lorenz

 

Weitere Informationen und Regeln zum Seifenkistensport findet Ihr unter www.seifenkisten-nrw.de

Kontakt zur Seifenkistengruppe „Immer auf Achse“ Bergkamen:

Michael Sulitze

Tel.: 02389 / 92040

È-Mail: michaelsulitze[at]gswcom.biz