Säuren sind aggressive Chemikalien, die sogar Stein, Metalle oder Knochen zerstören können. Um so erstaunlicher, dass der Körper selbst eine starke Säure herstellt: Unsere Magenschleimhaut pumpt Säureteilchen, so genannte Protonen, in das Mageninnere, wo sie zusammen mit Chlorid-Ionen Salzsäure bilden. Sie erhöht den Säuregrad des Magensaftes und ist für unsere Verdauung und Gesundheit lebensnotwendig.

Unfairerweise ist Magensäure vor allem dann Thema, wenn es um Sodbrennen geht und die Refluxerkrankung, d. h. wenn Magensäure den Magen verlässt und ein schmerzhaftes Brennen im oberen Bauch auslöst. Dabei ist dies in den meisten Fällen gar kein Fall von Säure-Überproduktion („Übersäuerung“), sondern eher ein Muskelproblem: Der Ringmuskel am Mageneingang schließt den Magen nicht mehr wirksam ab. So gelangt saurer Mageninhalt in die Speiseröhre, die dafür nicht gebaut ist und durch die Säureattacke verätzt wird.

Der Magen selbst, sofern er gesund ist, hat mit seiner eigenproduzierten Säure keine Probleme. Ihn schützt eine dicke, zähe Schleimschicht. Nur wenn sie zu dünn wird und kleinste Defekte bekommt, wie zum Beispiel nach einer langen Einnahme von Schmerzmedikamenten, kann die Salzsäure die Magenschleimhaut entzündlich schädigen.

Für unsere Gesundheit ist die Magensäure jedoch unverzichtbar. Nur ein stark saures Milieu im Mageninneren sorgt für eine natürliche Desinfektion, bei der Bakterien, Pilze und Viren aus der Nahrung abgetötet werden. Ist der Magen nicht sauer genug, kommt es deshalb gehäuft zu Magen-Darm-Infektionen.

Viele Nahrungsbestandteile benötigen zudem ein saures Umfeld, um aus dem Nahrungsbrei aufgeschlossen zu werden. Dazu gehören zum Beispiel Vitamin B12 oder Mineralstoffe wie Kalzium, Magnesium, Zink und Selen. Liegt zu wenig Magensäure vor, kann es zu entsprechenden Mangelzuständen kommen, und langfristig zu Folgekrankheiten wie nervösen Störungen, Muskelkrämpfen, Immunschwäche oder Knochenschwund.

Unentbehrlich ist die Magensäure auch für die Verdauung von Eiweiß (Protein). Sie sorgt dafür, dass die Nahrungsproteine ausfallen (denaturieren), ähnlich wie bei einem Ei in kochendem Wasser. Außerdem aktiviert sie das Magen-Enzym Pepsin, das die großen Eiweißmoleküle aus z. B. Milch, Fleisch oder Fisch abbaut. Erst diese kleinen Bausteine können danach im Dünndarm richtig verwertet werden. Befindet sich aber zu wenig Magensäure im Magen, gelangen die Eiweiße zu wenig verdaut in den Darm, faulen dort und verursachen Beschwerden wie Blähungen, Durchfall und Bauchschmerzen.

Nicht zuletzt sorgt die Magensäure auch für eine Entschärfung vieler Allergieauslöser, die zum großen Teil ebenfalls Proteine sind. Dazu gehören z. B. das Getreideeiweiß Gluten, Nuss- oder Sojaproteine. Viele Ernährungsexperten sehen deshalb einen Zusammenhang zwischen der explosionsartig gestiegenen Verschreibung von säurehemmenden Medikamenten (Protonenpumpenhemmern) und der Zunahme von Nahrungsmittelunverträglichkeiten.

 

 

 Gudrun Hoffmann  

 pixel2013pixabay.com / pexels.com 

Die auf dieser Webseite enthaltenen medizinischen Angaben und Beschreibungen sind trotz sorgfältiger Erarbeitung ohne Gewähr. Sie dienen dem Zweck, neutral und unabhängig über Themen aus Gesundheit und Krankheit zu informieren, ersetzen aber auf keinen Fall eine ärztliche Diagnose und Behandlung. Bei gesundheitlichen Problemen wenden Sie sich deshalb bitte immer an Ihre/n behandelnde/n Arzt/Ärztin.